Inhaltsverzeichnis
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Leben
Musik
Malerei
Reflexion








Leben

Rudolf Halaczinsky wuchs in dem Teil Oberschlesiens auf, der nach dem 1. Weltkrieg hart umkämpft wurde und schließlich unter polnische Herrschaft kam. Die künstlerische Begabung wurde ihm in die Wiege gelegt. Der Vater, ein Beamter der eigentlich Orchestermusiker werden wollte spielte Geige, malte und bastelte. Mit sieben Jahren bekam Rudolf H. Geigenunterricht, ein Jahr später begann er das Klavierspiel. Die Hausmusik, die im Hause Halaczinsky sehr gepflegt wurde war wohl der Grundstock für die Auseinandersetzung mit der Musik. Die Eltern förderten ihn nach Kräften. Seine Freizeit verbrachte er meist am Klavier, improvisierte, komponierte und übte. Im Alter von 15 Jahren komponierte Rudolf Halaczinsky anlässlich des Halaczinsky Priesterjubiläums des Religionslehrers ein „Tantum ergo“ für Chor, Streicher und Orgel . Dieses wurde in der Bergelkirche in Oppeln uraufgeführt.  Von 1930 bis 1937 besuchte er das deutsche Minderheitengymnasium in Rybnik und das humanistische Gymnasium in Oppeln, studierte 1940 an der staatlichen Hochschule für Musik in Graz Klavier, Komposition und Dirigieren. Am 3. Oktober 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er musste seinen Dienst bei einer Gebirgsjägereinheit in Klagenfurt antreten. 1941 wurde er zur Front einberufen und musste mit in den Balkanfeldzug. Im Herbst 1941 wurde er versetzt in die finnisch-läppische Tundra bei  Petsamo / Murmansk, wo er bis 1944 Dienst leistete. Anfang 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft nach Niederbayern entlassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Halaczinsky in Waidhofen/ Oberbayern (1946) und an der Heilig-Geist-Kirche in Augsburg-Hochzoll (1952-1955) als Organist und Chorleiter tätig, von 1946 bis 1952 als Korrepetitor, Kapellmeister und Hauskomponist am Stadttheater in Augsburg. Im Jahr 1946 heiratete er Ilse Palm, die er vier Jahre zuvor in Danzig kennengelernt hatte. Mit ihr hatte er fünf Söhne, Raimund (*1947), Matthias (*1948), Manfred (*1949), Lothar (*1952), Thomas (*1958)
Von 1952 bis 1955 studierte er an der Akademie der Tonkunst in München Klavier, Kirchenmusik und Komposition. Danach war er von 1955 bis 1969 Kantor an der Herz-Jesu-Kirche in Rheydt, von 1967 bis 1971 Musikerzieher am Math-Naturwiss. Gymnasium in Mönchengladbach und im Anschluss daran bis zu seiner Pensionierung im Mai 1984 Dozent für Musiktheorie an der Pädagogischen Hochschule, später Universität, in Köln.


Musik

Halaczinskys kompositorisches Schaffen umfasst Orchester-, Chor-, Klavier-, Kammer- und Kirchenmusik und wurde mehrfach ausgezeichnet: unter anderem 1969 beim Internationalen Kompositionswettbewerb "La Reine Elisabeth" in Brüssel mit dem 3. Preis in der Sparte symphonische Musik für das Poème symphonique "Lumière imaginaire" für großes Orchester. 1962 erhielt Halaczinsky den Förderpreis und 1981 den Hauptpreis des Johann-Wenzel-Stamitz-Preises der Künstlergilde Esslingen, 1985 den 1. Gerhard-Maasz-Preis der IDK Hamburg für die Komposition "Nachklang", 1987 für die Komposition "Poème d'éternitée" den 2. Preis und 1996 den 1. Preis für das Poème für Klavier "Nacht über Endenich".Zahlreiche Aufführungen seiner Werke fanden in Konzertsaal, Rundfunk und Kirche nachdrückliche Anerkennung.

Zeitlebens war Rudolf Halaczinsky von der Musik der Spätromantik und des Impressionismus beeindruckt. Diesem musikalischem Umkreis stehen viele Lieder nahe, die er zwischen 1946 und 1953 geschrieben hat, vor allem „Fiedellieder“ op.1c, „Alte Weisen“ op.2 oder die „Sieben Hesse Lieder“ op.14b. Die äußerst virtuose „Toccata“ für Klavier op.12 (1951) mit ihrer vorwärtsdrängenden und kraftvollen Motorik weist schon darüber hinaus. Die Kantate „Lied des Ostens“ op.25 (1953/54) steht stilistisch noch zwischen traditionellen und modernen Klängen. In der Auseinandersetzung mit Debussy, Strawinsky, Bartók, Hindemith und Schönberg entstanden „sechs dodekaphonischen Studien“ für Klavier op.13, (1951) die 1982 in einer Neufassung als „sechs kleine Stücke“ für Klavier op.13 im Verlag Astoria-Verlag Berlin veröffentlicht wurden.
Serielle  Formen, das Zwölftonmusik-Verfahren, graphische Notationen und solche mit Möglichkeiten zu eigenen Improvisationen, schließlich neue instrumentelle Spieltechniken wurden erprobt und angewendet. In diese Umbruchzeit des Suchens und Reifens fällt auch „die Entdeckung einer anderen Dimension des künstlerischen Gestaltungsbereichs“, wie der Musiker es formuliert. Erste Aquarelle, die er um 1956 malte, eröffneten ihm die Welt der Malerei, die ihm zur zweiten Ebene wurde, auf der er sich ausdrücken konnte.
Das Schlüsselerlebnis für seine weitere Entwicklung als Komponist war der Besuch der Darmstädter Tage für Neue Musik 1965, wo Werke der zeitgenössischen Avantgarde zu neuen Gestaltungsaspekten und Kompositionstechniken führten. Der Liederzyklus „Töne sterben“ für Sopran und Klavier op.  32 (1966 Uraufführung im Studio für Neue Musik in München) gibt ebenso Zeugnis dieser Wandlung ab wie sein damals entstandenes symphonisches Poème „Lumière imaginaire“ für großes Orchester op. 35. Dabei bezog er erstmals ein Tonband mit ein, auf dem unter anderem Glockengeläut und Morsezeichen gespeichert waren. 1969 in Brüssel uraufgeführt, wurde das Werk beim internationalen Kompositionswettbewerb „La Reine Elisabeth“ in der Sparte „Sinfonische Musik“ mit dem dritten Preis ausgezeichnet.
In die vielleicht fruchtbarste Phase seines kompositorischen Schaffens gehören Stücke wie „Canzoni da sonar“ für Violine und Klavier op. 39, „Quadratum mobile“ für Bläserquintett op. 45, seine „Trois préludes“ für zwei Klaviere op. 50, das Orgeldiptychon „OM“ op.49, das „Trisagion“, eine großangelegte Passion für Gesangssoli, Sprecher, Chor und Instrumentalensemble op. 40.
„Lumière d’eternité“ op. 74 (Licht der Ewigkeit), das 1987 entstandene, symphonische Poème für großes Orchester zu dem Zentralthema „Licht“ beschloss in Ergänzung zu zwei vorangegangenen Poèmes ein eindrucksvolles Triptychon. Aus dem gleichen geistig metaphysischen Ideenkreis stammen die „Tönende Sonne“ op. 59 ein Poème für Klavier von 1977 und ein daraus entwickeltes Konzert für Klavier und Orchester von 1978 op. 58 (1982 uraufgeführt).
 

Malerei

Charakteristisch für die Musik Halaczinskys ist ihre klangliche Farbigkeit. Sein malerisches Werk begonnen im Jahr 1955 hat er in einer Reihe namhafter Gruppen und Einzelausstellungen im In- und Ausland vorgestellt. Die Vorstellung von der Landschaft als „Musikerfülltem Raum“, von der Welt, „die aus dem Klang entsteht“, die Verschmelzung von Musik und Malerei in überrealistischem Sinne, ist die Leitidee seines Schaffens. So war es für ihn folgerichtig, ein Thema mit Mitteln der Malerei und Musik darzustellen, zu ergründen und dadurch eine tiefere Wahrnehmungsmöglichkeit und Erkenntnis zu schaffen. So gibt es zu dem Orgelwerk „OM“ op. 49 ein gleichnamiges Ölbild. Dem Bild „Nachtklang“ entsprechen die Werke op. 71 und 71a mit gleichem Titel für Kammer- bzw. großes Orchester. Die Kompositionen verlangen von den Ausführenden stärkste innere und äußere Konzentration. Pizzicati-Zwölftonfelder, Vierteltonschwebungen, zwischendurch mehrfaches Saitenumstimmen, improvisierte Zwischenstücke und polyrhythmische Übereinanderschichtungen bestimmen den Werkcharakter. Das beeindruckende Klavierstück „Tönende Sonne“ op. 59 entstand nach dem gleichnamigen Bild.

Rudolf Halaczinsky lässt aber auch ganz konkret die scheinbar klaren Grenzen zwischen Musik und Malerei verschwimmen. So wirken seine Collagen „Musique visible“ wie moderne Partituren, und umgekehrt scheint das Manuskript des „Quadratum mobile“ op. 45 eine moderne Grafik zu sein. Es ist für Soloklarinette geschrieben; der Spieler hat aufgrund der Spielanweisung zahlreiche Möglichkeiten das Stück umzusetzen.
Seine Bilder und Kompositionen verlangen dem Betrachter oder dem Hörer seiner Werke, wie einem 1990 im Laumann-Verlag, Dülmen, erschienenen Ausstellungskatalog zu entnehmen ist, eine Seh- bzw. Hörweise ab, „welche die Wirklichkeit verändert, die Wahrnehmung erweitert und intensiviert… Die alltäglich wahrgenommene Wirklichkeit lässt in ihrer Armut und Begrenztheit die Lichtklänge, die tönenden Sonnen- und Klangfarben unbegreifbarer Ordnung aufstrahlen und aufklingen, lässt das Geheimnis des Lebens und der Schöpfung leuchten. Dies ist die Botschaft der Bilder und der Musik Halaczinskys.


Reflexion

Rudolf Halaczinsky hat etwa 100 Werke komponiert, von denen 87 Opuszahlen tragen; einige Nummern sind noch unterteilt, andere Kompositionen sind ohne Werknummer. Der Verlag Christoph Dohr hat 1998 ein Werkverzeichnis vorgelegt, das fortlaufend alle Kompositionen nebst ergänzenden Angaben auflistet und sie auch nach Besetzungen ordnet. Halaczinsky hat von seinen Werken saubere Reinschriften angefertigt, die in vielen Fällen als Druckvorlage gebraucht werden können. Seine von ihm gesammelten gedruckten wie unveröffentlichten Kompositionen befinden sich im Besitz der Familie und sind dort einsehbar.

Das Leben, so könnte die Bilanz von Rudolf Halaczinsky lauten ist, angelehnt an den Titel der Komposition „Quadratum Mobile“. Man kann immer wieder neue Seiten entdecken, notfalls von vorne beginnen, und wenn man will, ewig mitspielen. Das manchmal ein Innenhalten, ein Überdenken nötig ist, wird klar, wenn man symbolträchtige Bilder wie „Golgatha 2000“, „Kristallisation“, „Geburt der Materie“, oder „Lebenswerdung“ sieht, wenn man den Liederzyklus „Töne sterben“ hört. Man muss sich engagieren, um etwas zu verändern, will Halaczinsky uns mit seinem Werk sagen. Und: man muss an sich glauben. Für ihn war es wesentlich in die geistig-seelischen Tiefen vorzudringen Dort suchte er nach „der Wirklichkeit jenseits der vordergründigen Wahrnehmung „- und dachte dabei an das Wort des Malers Caspar David Friedrich der dieses geistige Sehen so ausdrückte: „Die Seele ist es, die sieht, das äußere Auge zeigt das Ding vor, aber der Geist nimmt wahr“